Kamin-Käuze

Nun stellen Sie sich vor, Sie gehen wie immer in Ihr Wohnzimmer. Auf dem Weg zum Sessel streift Ihr Blick beiläufig den Wohnzimmerkamin. Dabei bemerken Sie ein unbekanntes Augenpaar, dass Sie durch die Kaminscheibe ansieht. Diese Augen gehören nicht hier hin.

So ähnlich überraschend muss es der Familie gegangen sein, der dieser schöne Wohnzimmerkamin gehört.

Ein Waldkauz im Wohnzimmerkamin, er wurde erst nach mehreren Tagen bemerkt und konnte gerettet werden
Ein Waldkauz im Wohnzimmerkamin, er wurde erst nach mehreren Tagen bemerkt und konnte gerettet werden

Dies erklärte auch bis dahin nicht einzuordnende Geräusche aus dem zum Glück unbenutzten Kamin. Beim genaueren Hinsehen entdeckten die Finder eine Eule. Tja, so kann man Eulenbesuch im Wohnzimmer bekommen.

Nun, so außergewöhnlich ist der Fall Waldkauz im Kamin nicht. Nach Rücksprache mit Schornsteinfegern stellte sich heraus, dass sich Dohlen häufig als Kaminbewohner betätigen. Seltener werden Tauben gefunden und ab und zu eben auch mal ein Waldkauz, Waldohreule, Steinkauz und selbst Uhus sind nicht unmöglich.

Dohlen auf dem Schornstein, auf der Suche nach einem Brutplatz
Dohlen auf dem Schornstein, auf der Suche nach einem Brutplatz

 

Dieser Waldkauz sitzt schützend oben am Kaminausgang Foto: Ralf Steinberg
Dieser Waldkauz sitzt schützend oben am Kaminausgang Foto: Ralf Steinberg

 

So sieht dann ein armer Waldkauz aus, wenn er wieder befreit wird
So sieht dann ein armer Waldkauz aus, wenn er wieder befreit wird

Rußig, aber noch gut beisammen. In diesem Fall ging es dem Kauz, bis auf die Zwangsdiät, noch recht gut. Nach entsprechender Nahrungsaufnahme war er wieder sehr schnell in Form und konnte frei gelassen werden.

stark abgenutzte Krallen durch Befreiungsversuche
stark abgenutzte Krallen durch Befreiungsversuche

Sollten tatsächlich die Krallen so stark gelitten haben, wie bei dem Tier oben im Bild, so kann der Kauz nicht so schnell in die Freiheit entlassen werden. Denn alle Krallen sind nun stumpf und der Vogel kann gar nicht mehr richtig seine Beute töten. Hier sollte das Tier bis zum vollständigen Nachwachsen der Krallen tatsächlich in Gefangenschaft gehalten werden.

Manche Tiere müssen vor der Freilassung gewaschen werden, folgendes Video zeigt ein Beispiel:

ACHTUNG: Bei starkem Ruß im Kamin, kann ein Tier einen massiven irreversiblen Lungenschaden davon tragen. Hierbei kann im schlimmsten Fall eine Rettung unmöglich werden, wenn die komplette Lunge und Luftsäcke von feinsten Rußpartikeln belegt ist. Eine extra-Sauerstoff-Behandlung kann notwendig werden. Die Atemfrequenz eines solchen Unfallsopfers ist immer zu überprüfen, der Vogel muss von einem Tierarzt abgehört werden. Evtl. müssen weitergehende Untersuchungen nach Stabilisation durchgeführt werden. Eine Endoskopie würde Aufschluss über den Zustand der Atemwege geben (nur bei stabilisierten Tieren durchführen lassen).

Ein weiterer Fall von einer Waldkauzrettung. Eulen sollten im Schutz der Dämmerung frei gelassen werden und nicht tagsüber. Ein Gitter als Vorbeugung am Kamin angebracht werden, damit es nicht bald wieder passiert.

Da eine Gefahr einer Rauchvergiftung besteht, sollte ein „Kaminopfer“ immer bei einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden. Hier ein weiterer Artikel aus München.

Kaminunfällen vorbeugen

Damit der Kamin für etwaige Tiere nicht zur Falle wird, kann man entsprechende Schutzeinrichtungen installieren lassen. Sie sollten Ihren Schornsteinfeger hierzu befragen. Es gibt verschiedene Dohlengitter, welche der Kaminart entsprechend angepasst werden.

Dohlengitter für den Schornstein
Dohlengitter für den Schornstein, der Schornsteinfeger bringt es an

Unsere Erfahrungen hierzu: Leider ist es auch schon vorgekommen, dass die Dohlen mehrere Wochen oder Monate daran gearbeitet haben, die Befestigung des Gitters wieder zu lösen. Ein Fall ist uns bekannt, dass sie es nach ca. einem halben Jahr geschafft haben dieses Gitter wieder zu lösen. Daher muss auch jeder Schornsteinfeger dieses Gitter richtig befestigen, mit einem alleinigen Betonmischung o. ä. ist es nicht getan! Vor allem wenn die Dohlen den Schornstein schon kannten.

GEFÄHRLICHE KLETTEN

Kaum zu glauben, aber auch Kletten können zu einer tödlichen Gefahr für Vögel werden. Im Eifer des Jagdgeschehens werden gelegentlich in Bodennähe befindlichen Kletten übersehen bzw. nicht als Gefahr erkannt. Verhaken sich diese ungünstig im Gefieder, kann der Vogel flugunfähig werden.

Nach vorsichtigem Entfernen stellten wir fest, dass es sich nicht um eine Klette handelt, sondern um eine Frucht der Plantane
Nach vorsichtigem Entfernen stellten
wir fest, dass es
sich nicht um eine Klette handelte, sondern um eine Frucht der Plantane

Turmfalke_Kletten

Um diesen Turmfalken von dem Grünzeug zu befreien, bedarf es einer ruhigen Hand und viel Geduld. Die Kletten dürfen nicht einfach heraus geschnitten werden. Für diesen Turmfalken haben wir eine halbe Stunde benötigt, um diese Biester aus dem Gefieder heraus zu bekommen. Die gesamte Brust war mit kleinen Pflanzenteilen verklebt.

Der Vogel konnte kurz danach wieder frei gelassen werden.

Einen ähnlichen Fall habe ich mal mit einer Fledermaus erlebt, welche mini-Kletten in der feinen Flügelhaut hatte. Diese konnten entfernt werden und das Tier war danach wieder flugfähig.

ANGEKOKELTER FALKE?

Dort, wo Raffinerien und chemische Betriebe vorhanden sind, trifft man regelmäßig auf sogenannte Fackeln/Abfackeltürme.

In den hiesigen Raffinerien/Chemiewerken dienen Fackelsysteme auch zur schnellen Entspannung in Havariefällen von Chemieanlagen, um z. B. Kohlenwasserstoffe oder andere giftige Stoffe nicht in die Atmosphäre gelangen zu lassen.

Die Flamme oder Fackel kann für Vögel gefährlich werden, wenn sie sich im ungünstigen Moment in der Nähe befinden.
Die Flamme oder Fackel kann für Vögel gefährlich werden, wenn sie sich im ungünstigen Moment in der Nähe befinden. © Frank Seifert

 

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Die Flamme ist dabei fast ständig in Betrieb, im Normalfall oft fast unsichtbar und nur schwach ohne übermäßigen Druck. Und dies stellt eine besondere Gefahr für unsere Wanderfalken dar, vor allem Jungtiere erkennen die Lebensgefahr häufig nicht.

Wanderfalken halten sich hier auch regelmäßig auf
Wanderfalken halten sich hier auch regelmäßig auf © Frank Seifert

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Es ist zum Beispiel schon mehrfach zu folgenden Zwischenfällen mit Wanderfalken gekommen:

Wanderfalke mit abgebranntem Gefieder

Das Gefieder kann massiven Schaden nehmen, der Vogel fällt mehr oder weniger flugunfähig vom Himmel. Wenn das Tier bei der Hitze zu viel eingeatmet hat, kann es sich schwere Lungen- und Luftsackverbrennungen zuziehen, welche in der Regel tödlich enden.

Sogar das Kleingefieder hat am ganzen Körper einen Schaden genommen.

 

Dieser Vogel muss bis zur kompletten Mauser (Gefiederwechsel) in Gefangenschaft verbleiben. Dies kann je nach Jahreszeit des Unfalles bis zu 1,5 Jahre dauern. Nach der Mauser steht schließlich ein falknerisches Training an, bevor der Falke wieder flugfähig mit genügend Kondition in die Freiheit entlassen werden kann. Übungen mit dem Federspiel müssen hier z. B. mit vielen Wiederholungen durchgeführt werden. Das Jagen muss ein Greifvogel nicht erlernen, aber er muss wieder so fit gemacht werden, dass er wildbahnfähig wird. Ein intaktes Gefieder gehört hier nicht alleine zum Erfolg der Rehabilitation. Die Blutwerte müssen kontrolliert werden, bis er wieder so in Form ist wie ein Hochleistungssportler. Dies kann durch einen Volierenaufenthalt nicht geleistet werden, da ein hin und her fliegen von Sitzstange zu Sitzstange meist im satt gefütterten Zustand eher zur Fettleibigkeit führt und zu einem Muskelabbau.