Regelmäßig werden wir gefragt, ob wir auch vergiftete Greifvögel eingeliefert bekommen. Diese Frage können wir zwar mit einem JA beantworten, allerdings sind solche Fälle als eher selten zu betrachten. Die häufigsten Einlieferungsgründe für aufgefundene Vögel sind Anflugtraumen und die daraus resultierenden Verletzungen wie Flügelbrüche, Schädeltraumen usw.. Vergiftete Tiere sterben leider nach einer Giftaufnahme recht zügig und werden dann wiederum nicht mehr zu einer Pflegestation gebracht.

Welche Giftarten gibt es, die hier angewendet werden ?

1.) Rodentizide, also Nagergifte die zum Beispiel durch Kumaringifte ausgebracht wurden. Greifvögel oder Eulen können demnach manchmal vergiftete Nager in einem bestimmten „Vergiftungsstadium“ fressen, so dass das Gift den Vogel ebenfalls noch schädigt. Es kommt zu inneren Blutungen.

2.) Pestizide. Hier sind unter anderem auch Insektizide, Fungizide mit inbegriffen. Die Felder werden gespritzt und es kann zur unabsichtlichen Aufnahme der Gifte kommen. Des Weiteren findet das Insektizid Carbofuran Verwendung. Carbofuran ist hochtoxisch und daher in der EU verboten, aber kommt weltweit dennoch zum Einsatz. Es tötet allgemein Vögel und auch Säugetiere. Dieses Problem ist zum Beispiel in Afrika ebenfalls bekannt. Hier in Deutschland wird das Gift Carbofuran illegal mittels Ködern ausgebracht um gezielt Greifvögel zu töten. Der Nachweis erfolgt durch Giftanalysen in chemischen Laboreinrichtugen wie z. B. in Münster, Karlsruhe, Stuttgart usw..

3.) Bleivergiftungen kommen insbesondere bei Greifvogelarten vor, welche verendete kontaminierte Tiere als Nahrung aufnehmen.  Damit sind häufig Wildarten gemeint, welche durch Jäger erlegt wurden und bleihaltige Munitionssplitter im Körper liegen haben (Luderplätze usw.). Aasfressende Arten wie Seeadler, Milane und Mäusebussarde sind häufige Opfer von Bleivergiftungen. Diese Vergiftungsart ist ein weltweites Problem.

4.) Arzneimittelvergiftungen mit dem Wirkstoff Diclofenac. Der Name ist einigen Menschen als Humanmedizinisches Präparat bekannt, dabei handelt es sich um ein Schmerzmittel. Dieses wird auch in der Tiermedizin verwendet. Das Diclofenac welches an Großtieren wie Hausrindern therapeutisch eingesetzt wird (wurde), stellt eine tödliche Gefahr für Geier dar. Verendete Großtiere werden insbesondere in Ländern wie Indien auf natürliche Weise durch Geier entsorgt. Doch die Geier und manche Adlerarten vertragen diesen Wirkstoff überhaupt nicht und sterben daran

 

RODENTIZIDE – BEKÄMPFUNG DER NAGETIERE

Insbesondere im Jahr 2015 kam in den Medien immer wieder die Feldmausplage ins Gespräch. Denn nach dem letzten sehr milden Winter und dem recht trockenem Frühjahr/Sommer konnten sich viele Tiere gut vermehren. So auch die sehr fortpflanzungsfreutigen Feld- und Erdmäuse. Wir als Auffangstation haben in diesem Sommer sehr viele junge Eulen- und Turmfalkenjungtiere eingeliefert bekommen. Ein Indiz dafür, dass es viel Nachwuchs gibt, aufgrund des hervorragenden Nagerangebotes. Die Feldmaus gehört bei einigen Greifvögeln und Eulenarten zum Hauptbeutetier. Diese Mäuse sind tag- und nachtaktiv und aus der Sicht der Landwirtschaft mit die bedeutendsten Schädlinge.

Nager werden daraufhin am Effektivsten mit speziellem Mäusegift getötet, mit sogenannten Rodentiziden. Eins der bekanntesten Nagergifte ist das Kumarin. Andere Nagergifte beinhalten die Wirkstoffe Zinkphosphid, Bordifacoum oder Chloramphenicon. Man kann zum Beispiel das Nagergift Ratron mit verschiedenen Wirkstoffen erwerben. Die Nagergifte dürfen allerdings nur unterirdisch bzw. verdeckt ausgebracht werden. Also nicht auf den kahlen Boden In Häufchen. Diese Vorgaben sind auch beim BVL www.bvl.bund.de nachzulesen.

Fallbeispiel bei unsachgemäßer Anwendung von Zinkphosphid Giftweizen
Mit dem Wirkstoff Zinkphosphid kamen wir als Auffangstation zuletzt im Februar 2013 in Berührung. Hier wurde der Giftweizen nicht verdeckt auf den Feldern ausgebracht, sondern gut sichtbar für andere Tiere – eben auch für Vögel. So landete eine Gruppe Saatgänse (Anser fabalis) von mind. zwei Dutzend oder mehr Tieren auf dem Feld, welche das vermeintliche und leicht erreichbare Futter aufnahmen. Die direkte Aufnahme des Giftweizens zeigte schnell seine volle Wirkung. Eine recht kleine Menge (teils nur wenige Körner pro Tier!) des Saatgutes reichte aus, um über zwei Dutzend Saatgänse (3,5 bis 4,5 kg Lebendgewicht) zu töten. Dieser Giftweizen konnte noch im Magen-Darmtrakt nachgewiesen werden.

Mageninhalt einer Gans mit Zinkphosphid-Giftweizen (pinke Körner)
Mageninhalt einer Gans mit Zinkphosphid-Giftweizen (pinke Körner)

Saatgänse sind Durchzügler bzw. Wintergäste in Mitteleuropa, diese Rast wurde ihnen in diesem Fall zum Verhängnis. Alle Tiere dieser Gruppe starben fast zeitgleich am Schlafplatz und wurden an das Ufer eines Sees in einem Naturschutzgebiet im Kreis Heinsberg angespült.

Ein kleiner Teil der Saatgans-Opfer. Sie starben nach der Zinkphosphid-Aufnahme
Ein kleiner Teil der Saatgans-Opfer. Sie starben nach der Zinkphosphid-Aufnahme

Die pathologische Untersuchungen ergaben, dass sich alle Tiere im besten Ernährungszustand befanden und zuvor kerngesund waren. Die Giftaufnahme konnte mit genauem Wirkstoffnachweis bestätigt werden. Zinkphosphid – Giftweizen/Haferflocken/Linsen – ist ein legales Rodentizid, welches nicht fachmännisch ausgebracht wurde und dadurch vielen Tieren das Leben gekostet hat. Es könnte sogar eine mutwillige Vergiftung im Vordergrund gestanden haben, doch ein Täter konnte nicht ermittelt werden.
Hier ein weiterer Fall (November 2015) von vergifteten Gänsen, in diesem Fall waren es Graugänse.


Fernsehbeitrag Feldmaus-Plage in Hessen

Chloramphenicon ist hoch toxisch
Das Nagergift mit dem Wirkstoff Chloramphenicon ist als deutlich giftiger einzustufen und ist daher seit dem Jahr 2007 in der gesamten EU verboten. Es ist ein Gift, welches sehr erfolgreich Schadnager bekämpft. Daher wurde eine Ausnahmeerlaubnis (Notfallzulassung) vom BVL Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am 12.08.2015 erteilt.
Erstaunlich ist, dass es seit acht Jahren nicht mehr erlaubt war dieses anzuwenden, dennoch aber jetzt plötzlich innerhalb von zweieinhalb Wochen in großen Mengen angewendet werden konnte und eben auch entsprechend zu kaufen ist. Die zugelassene Menge wurde bundesweit auf 700 Tonnen! begrenzt. Das Ratron Feldmausköder-Präparat mit dem Wirkstoff Chloramphenicon durfte vom 01.09.2015 bis zum 29.12.2015 legal angewendet werden. Allerdings nur, wenn man einen Sachkundenachweis bezüglich der Anwendung von Rodentiziden (Pflanzenschutz-Verordnuung) vorweisen kann. Man muss allerdings als Anwender einen Antrag beim Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW beantragen. Hierzu muss ein Formantrag ausgefüllt werden, ein Antrag kostet 80,-€. Bei einer Bewilligung wird die Untere Landschaftsbehörde aus dem Kreis vor Ort ebenfalls informiert.

Die Wirkweise der verschiedenen Nagergifte sind in der Regel immer recht ähnlich, da es die Gerinnung des Blutes der Wirbeltiere nachhaltig stört. Die Blutgerinnung läuft bei Säugern und Vögeln etwa gleich ab, es kommt zu inneren Blutungen.
Ich selbst habe durch beim Tätigkeit beim Tierarzt schon einige Kumarin-vergiftete Hunde gesehen. Manche zeigten blutunterlaufende Augen, andere husteten, da sich Blut in der Lunge befand. Wieder andere haben blutigen Kot abgesetzt oder erbrochen. An welchen Stellen die Tiere das Gift aufnahmen war in der Regel unbekannt.

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Welche andere Nichtziel-Tierarten können betroffen werden?
So kann es entweder bei der direkten Köderaufnahme von Giftweizen oder Linsen zum Beispiel durch Gänse, Tauben, Fasane, Rebhühner und andere körnerfressende Singvögel zum raschen Tod kommen (Primärvergiftung). Oder es kann zu einer Sekundärvergiftung kommen. Diese ist möglich, wenn Nager erst vor kurzer Zeit das Gift aufgenommen haben (es befindet sich womöglich noch im Magen-Darm-Trakt). Da die Mäuse meist von Prädatoren komplett gefressen werden, ist so eine Giftaufnahme wiederum leicht möglich. Das Schlimme ist, dass gerade in den Wintermonaten die Felder häufig mit vielen Mäusebussarden besetzt sind. Durchziehende Bussarde gesellen sich hinzu und alle warten auf die Mäuse, die in der Anzahl eine leichte Mahlzeit bedeuten. Selbst Graureiher und Silberreiher fangen auf den Feldern Mäuse mit ihrem spitzen Schnabel. Da die Mäuse auch nachtaktiv sind, können ebenfalls Eulen an vergifteten Nagern sterben.
Zwar verkriechen sich vergiftete Mäuse in den Löchern, dennoch gibt es immer ein Restrisiko der Aufnahme vergifteter Tiere.
Muss der Giftanwender einen Hinweis geben, wo Gift aktuell angewendet wird?
Wird auf einem Feld Gift zur Bekämpfung ausgebracht, so muss kein Hinweisschild aufgestellt werden. Dies ist in Wohnsiedlungen aber notwendig.
Was ist zu tun, wenn Sie beobachtet haben, dass Gift unsachgemäß auf den Feldern ausgebracht wurde?
Diese Beobachtung muss der Polizei gemeldet werden und ebenfalls beim Pflanzenschutzdienst für NRW in Bonn, Tel.: 0228-7032113 gemeldet werden. Email: Pflanzenschutzdienst@lwk-nrw.de
Was tun, wenn Sie ein vermeintlich vergiftetes aber bereits totes Tier auf landwirtschaftlichen Feldern gefunden haben?
Tiere die dem Jagdgesetz des Bundes oder der Länder unterliegen (je nach Bundesland unterschiedlich) dürfen nicht vom Fundort entfernt werden, da es hier schon zur Wilderei kommt. Es muss tatsächlich die Polizei eingeschaltet werden. Sinnvoll wäre gleichzeitig oder eher vorher die Kontaktaufnahme zum Pflanzenschutzdienst. Es ist nicht zu erwarten, dass die Polizei sich mit dieser Thematik in allen Varianten auskennt. Erhärtet aber sich ein absichtlicher Vergiftungsverdacht mit Verdacht auf den Täter, kann unter Umständen eine Kostenübernahme zur pathologischen Untersuchung des Pflanzenschutzdienstes möglich sein. Dies sollte vorher abgeklärt werden, da Privatpersonen zwangsläufig die Untersuchungskosten selbst tragen müssen. Giftanalysen sind teuer und aufwendig und können somit im dreistelligen Bereich enden.
Welches Antidot wird zur Behandlung benötigt?
Das Antidot wäre bei Blutgerinnungszerstörenden Giften in dem Fall Vitamin K1.
Dieses hat ein Tierarzt normalerweise als Injektion in der Praxis, sowie auch als orale Flüssigkeit. Ein Säuger oder Vogel benötigt mit diesem Medikament einen ausgiebige Behandlung, eine einmalige Gabe reicht nicht aus.
Anwendung Vitamin K 1: 0,2 bis 2,5mg/kg i.m. oder oral, je nachdem was vorhanden und möglich ist. Gabe alle 4 bis 24h, je nach Schweregrad und Symptomen. Das Medikament muss eine längere Zeit gegeben werden. Es ist apothekenpflichtig.
Das verendete Tier soll untersucht werden, was ist zu beachten?
Wenn die Aufnahme eines Tieres rechtlich geklärt wurde, so sollte dies am Besten auf den schnellsten Weg zu dem zuständigen Veterinäruntersuchungsamt gebracht werden. Bereits verweste Tiere können nicht mehr untersucht werden. Frischtote Tiere sollten vorzugsweise bei 0 bis 4°C gekühlt werden. Eine Versendung in Plastiktüten sollte auf jeden Fall vermieden werden!

 

Pestizide

Insbesondere die Fundsituation eines Greifvogels gibt am ehesten einen Hinweis auf eine Vergiftung durch angwandte Pestizide. Für uns als Pflegestation ist es nicht immer einfach eine Vergiftung sofort zu erkennen, doch dies ist überlebenswichtig für den Vogel. Nur durch eine rasche Behandlung, kann der Patient vielleicht noch gerettet werden. Das Problem ist, dass vergiftete Greifvögel ähnliche Symptome wie Traumapatienten zeigen können. So können die Tiere durch eine Vergiftung gelähmt sein oder gleiches durch ein Wirbelsäulentrauma verursacht werden. Sie können bei einer Vergiftung zentralnervöse Ausfälle zeigen oder lediglich ein schweres Schädelhirntrauma haben, was so aussieht wie eine Vergiftung! Meist befinden sich vergiftete Tiere in einem guten Ernährungszustand. Vögel die ausgehungert sind, weil sie Tage lang nicht mehr fressen bzw. jagen konnten, sind in der Regel nicht vergiftet. Bei dem Verdacht einer Vergiftung muss schnell gehandelt werden und ein Antidot (Gegengift) gegeben werden. Letztendlich ist die Diagnose nicht einfach zu stellen und meist wird man den Wirkstoff nicht genau identifizieren können. Bei einem Vergiftungsverdacht sollte unbedingt ein Blutuntersuchung eingeleitet werden.

Erst kürzlich wurde uns ein Rotmilan eingeliefert, bei dem der Vorbericht und die Fundumstände den starken Verdacht eine Vergiftung zuließen. Sofort wurde ein Antidot verabreicht, welches mehrfach wiederholt wurde und schnell anschlug. Eine Blutuntersuchung wurde eingeleitet. Hier zeigte sich ein Leberwert massivst erhöht (ein ca. 42fach erhöhter Wert). Das große Problem bei Leberschädigungen ist, dass man kaum Medikamente zur Behandlung nutzen kann. Denn Medikamente jeder Art belasten die Leber noch mehr. Daher wurden intensive Infusionstherapien und Leberschutzkomplexe verabreicht. Zum Glück erholte sich der Patient sehr schnell und zeigten guten Appetit. Bei diesem Fall können wir bis heute nicht sagen, welches Gift dem Tier zugesetzt hatte. Wir wissen nur, dass in der Fundregion die Felder frisch gespritzt wurden. Der Bleiwert wurde vorsichtshalber ebenfalls untersucht, damit eine chronische Vergiftung nicht übersehen werden konnte.

Des Weiteren haben wir schon frisch verendete Mäusebussarde eingeliefert bekommen, bei denen der Verdacht einer Vergiftung sehr nahe lag. Hier war der Fundumstand, der gute Ernährungszustand und viel Schleim im Rachen der Hinweis. Die Untersuchung im Veterinäruntersuchungsamt Münster (Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland – Emscher – Lippe) brachte dann nach einer Giftanalyse den Wirkstoff Carbofuran zu Tage.

CARBOFURAN:

BLEIVERGIFTUNG

Leider ist das Thema Bleivergiftung immer noch ein sehr ernstzunehmendes Problem und für viele Menschen, die sich mit der Problematik noch nie beschäftigt haben, ebenso neu.
Insbesondere bei aasfressenden Greifvögeln wie Seeadlern, Rot- und Schwarzmilanen, sowie Mäusebussarden werden immer wieder tödliche Bleikonzentrationen in festgestellt. Der Seeadler unser Wappentier, ist hier die am schwersten betroffene Greifvogelart. Die Problematik ist aber leider auch weltweit ein Problem. Weltweit gesehen sind die häufigsten betroffenen Greifvögel Seeadler, Riesenseeadler, Weisskopfseeadler, Rohrweihe, Kalifornischer Kondor, Kaiseradler und Steinadler.

Mittels Bluttests kann man den Bleiwert untersuchen lassen (Die Zinkwertbestimmung sollte ergänzend durchgeführt werden). Ein Bleiwert wird in der Einheit ppm (parts per million) angegeben. Ab dem Blutwert > 0,6ppm liegt eine Vergiftung vor. Oder es gibt eine Angabe in ug/dl (Normwert < 5,0). Bei jedem Verdacht einer solchen Vergiftung müssen aber auch die Organwerte und die allgemeine Hämatologie mit untersucht werden. Eine Bestimmung des Bleiwertes können nur bestimmte Laboreinrichtungen mit speziellen Geräten durchführen und sind daher nicht ganz preiswert (ca. 35 bis 45 Euro nur für die Bleiwertbestimmung). Hier sollte genau abgewägt werden, wie man diese Untersuchung möglichst schnell durchführen lassen kann. Universitäten sind in solchen Belangen in der Regel technisch bestens ausgestattet. Ein tagelanges warten auf ein Ergebnis hilft bei einem akuten Verdachtsfall reichlich wenig. Das Medikament, welches man für die Behandlung benötigt, ist zudem auch nicht in jeder Tierarztpraxis vorrätig. Am ehestens aber in „Vogel-Tierarztpraxen“ vorzufinden, welche Bleivergiftungen bei Papageienvögeln regelmäßig behandeln.

Schon kleinste Mengen Blei reichen aus, um bei einem Greifvogel eine akute Vergiftung auszulösen, an der ein Vogel in kürzester Zeit qualvoll stirbt. Die Magensäure von Greifvögeln ist so „scharf“, dass das Blei schnell aufgelöst wird und daraufhin in die Blutbahn übertritt.

Die aasfressenden Greifvögel fressen von den Jägern zurück gelassenes Wild bzw. deren Innereien, welches Bleimunitionsplitter enthält. Die Bleikonzentration erhöht sich im Vogelkörper bis der Vogel letztendlich davon stirbt. Bei einigen Tieren reichert sich das Blei im Körper an, bei anderen Tieren kommt es zu einer akuten Bleivergiftung. Die meisten Vergiftungsfälle treten hierbei in den Monaten Dezember, Januar und Februar auf. Dies konnte das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) nachweisen. Es ist damit zu begründen, dass in der Winterzeit auch die Hauptjagdzeit für Schwarzwild, Schalenwild und Flugwild ist.
Diskussionen zur bleifreien Jagd gibt es schon einige Jahre. Bleifreie Munition ist bekannt dafür, dass sie häufiger das Wild nicht sofort tötet. Meines Erachtens ist es das A und O, dass Überreste jeglicher erlegten Wildarten aus der Natur zu entfernen sind. Würde dies konsequent verwirklicht werden, gäbe es auch nicht diese großen Probleme. Luderplätze sollten daher nicht mit Wildteilen bestückt werden, in denen Bleisplitter vorhanden sein könnten.
Für die Seeadler ist jeder Todesfall ein tragischer. Seeadler sind erst mit mehreren Jahren geschlechtsreif und ziehen nur ein bis zwei Junge im Jahr groß. Verstirbt ein Altvogel, dauert es ansprechend mehrere Jahre, bis Jungvögel ebenso fortpflanzungsbereit sind.
Die Symptome bei Vergiftungen können eindeutig bis unklar sein. Da Blei hochtoxisch ist, greift es das Nervensystem, das Blutbildungssystem und innere Organe an. Es kann zu allgemeiner Teilnahmslosigkeit kommen, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Lähmungen, Sehstörungen, Atemnot, und schließlich einem qualvollen Tod. Ein aufgefundener Seeadler sollte insbesondere in den Wintermonaten einer kompletten Röntgenuntersuchung unterzogen werden. Nur bei einer schnellen Diagnosestellung kann dem Vogel vielleicht noch das Leben gerettet werden.
Lesen Sie hier mehr über Bleivergiftungen: www.seeadlerforschung.de

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Bleivergiftung und Beizjagd

Leider ist es schon passiert, dass Greifvögel die zur Beizjagd eingesetzt werden und auf Flugwild geflogen werden (z. B. Stockente, Rabenkrähe) Vögel gefressen haben, welche Bleireste in Ihrem Körper hatten. Manchmal überleben Vögel den Schrotbeschuss, die Schrotkügelchen befinden sich abgekapselt unter der Haut oder in der Muskulatur. Wenn ein Vogel diese Art des Beschusses überlebt und dann aber selbst von einem Prädator aufgefressen wird, kommt es zur Bleivergiftung beim Greifvogel.
Bei akuter Bleivergiftung können Bleidichte Splitter auf einer Röntgenaufnahme wie hier dargestellt deutlich sichtbar gemacht werden.

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Eine tierärztliche Behandlung muss umgehend bei einem Spezialisten eingeleitet werden.
Bei Greifvögeln kommt zum Glück die Eigenschaft ein Gewölle regelmäßig zu werfen  sehr zu Gute. Hier können mit viel Glück die Bleistücke wieder ausgewürgt werden. In einigen Fällen muss eine Magenspülung vorgenommen werden, welche nur von absoluten Tierarztspezialisten durchgeführt werden sollte.
Der Bleiwert muss auch in diesem Fall über eine Blutuntersuchung kontrolliert werden. Es sollte genau überlegt werden, in welchem Institut diese Untersuchung durchgeführt werden soll, um unnötige Wartezeiten bis zum Ergebnis zu verhindern. Manche Laboreinrichtungen führen diese Bleibestimmung nicht täglich durch. In diesem Fall können wir eine Kontaktaufnahme zu Vogelkliniken in Universitäten raten.
Eine Entgiftungstherapie ist sehr aufwendig und mit vielen Tierarztbesuchen verbunden. Die Leber- und Nierenfunktion muss dringend unterstützt und bei einer „Blei-Behandlung“ ebenfalls mittels Blutuntersuchung im Auge gehalten werden. Tägliche Infusionsgaben gehören zu einer Entgiftungskur.

Bleivergiftung bei wilden Steinadlern

ARZNEIMITTELVERGIFTUNGEN BEI GREIFVÖGELN

Der Wirkstoff Diclofenac ist hochtoxisch und hat in den letzten 15 bis 20 Jahren schon riesige Bestandseinbrüche (im Millionenbereich) weltweit bei den Geiern verursacht. Hier sind insbesondere der Indiengeier (Gyps indicus), Bengalengeier (Gyps bengalensis), … und einige Adlerarten betroffen wie z. B. der Steppenadler. Die Tiere nehmen diese Wirkstoffe über tote Hausrinder auf, welche zuvor damit behandelt wurden. Bei den Tieren kommt es anschließend zum Nierenversagen und es folgt ein elendiger Tod.

Das insbesondere Geier und Adler erst einige Jahre alt werden müssen bis sie geschlechtsreif sind und dann meist nur ein Junges pro Jahr aufziehen, wird sich der Bestandsverlust vorraussichtlich nie mehr erholen können.

 

NATÜRLICHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG (Nagerbeämpfung) MIT SCHLEIEREULEN

Eine Projekt in Israel, ein anschauliches leicht verständliches Video in englisch. Es zeigt mit welchem Einsatz man mit der Natur die Nagerbekämpfung ganzjährlich ohne Gift durchführen kann! Ein Umdenken ist sehr wichtig, denn die Natur wird mit so viel Giften vollgepumpt, obwohl es auch ohne geht. Die Kosten der Nistkästen und deren Aufbau ist nicht so hoch wie der Giftaufwand, der immer wiederholt werden muss.

Gleiches kann man auch mit Turmfalkennistkästen erreichen.