Hilfe für den Steinkauz

Lebensraum für den Steinkauz – Unterstützung mit Nistkästen

Leider gehen die Steinkauzbestände stetig abwärts, da die Habitatgrundlage nicht mehr ausreichend gegeben ist. In Nordrhein Westfalen sollen circa 70% des deutschen Bestandes der Steinkäuze vorkommen. 4500 Brutpaare soll es alleine in NRW geben, doch es kommt zu ernstzunehmenden Rückgängen der Steinkauzpopulationen. Bis zu 80% gehen auf das Konto neuer Baugebiete (Info EGE Eulen e.V.).

Aufgrund der häufig fehlenden Brutmöglichkeiten, wurden in den letzten Jahren an vielen Stellen Niströhren/Kästen aufgehangen. Mit großem Erfolg kann man so den Steinkauz in geeigneten Revieren halten. Zu geeigneten Revieren gehören in Mitteleuropa im optimalsten Fall beweidete Wiesen, auf denen es immer genügend Nahrung für den kleinen Kauz gibt. Höhlenreiche Bäume, wie Kopfweiden und Hochstammbäume runden den optimalen Lebensraum ab.

Geeignetes Revier für Steinkäuze: hier gibt es Viehhaltung, viele Kopfweiden mit genügend Versteckmöglichkeiten, sowie kurzes Gras
Geeignetes Revier für Steinkäuze: hier gibt es Viehhaltung, viele ältere Kopfweiden mit genügend Versteckmöglichkeiten, sowie kurzes Gras

 

Obstbaumwiese steinkauz
Nicht geeignet: Naturbruthöhlen sind zwar vorhanden, aber hier kann der Steinkauz nicht überleben, da das Gras zu hoch wächst. Hier kann er nicht erfolgreich jagen

 

Viehtraenke Todesfalle
Todesfalle Wassertrog
vorbildliche Viehtränke: hygienisch und absolut ungefährlich für andere
vorbildliche Viehtränke: hygienisch und absolut ungefährlich für andere

Richtig helfen mit speziellen Nistkästen für den Steinkauz

Es gibt mittlerweile verschiedene Bezugsquellen von Steinkauzkästen, doch diese Kästen können auch ganz einfach selbst gebaut werden. Ob man einen runden oder eckigen Kasten wählt, ist dem Steinkauz relativ egal, hautpsache es gibt einen sicheren und trockenen Unterschlupf.

Informiert man sich über den Bau von Nistkästen, stößt man regelmäßig auf die Information, dass die Kästen mardersicher gebaut werden sollten. Nach Erfahrungen von O. Kimmel haben sich Steinkauzröhren mit Mardersicherung kaum bewährt, da diese den Marder nicht sicher fernhalten, aber dem Kauz beim Einflug in den Kasten erheblich stören. Nach seinen Erfahrungen ist der Nutzen dieser Kästen nicht so hoch wie immer behauptet wird. Er selber hat schon zwei Mal schlafende Marder in einer Steinkauzröhre beobachten können, die anscheinend ohne Probleme in den Kasten kamen. Seine Beobachtungen werden durch den Bericht von Herrn A. Nagel aus Hamm bestätigt, der ihm mitteilte, dass er bei der Kontrolle einer „mardersicheren“ Röhre nach Öffnung des rückwertigen Verschlusses einen schlafenden Steinmarder im Brutraum vorfand. Der Marder flüchtete daraufhin blitzschnell durch das Labyrinth – wesentlich schneller, als ein Steinkauz in der Lage gewesen wäre. Nach den Beobachtungen zufolge (36 Jahre Steinkauzschutz) von Herrn Kimmel werden Steinmarder als Bedrohung für die Steinkauzpopulation stark überschätzt. Zusätzlich machte er weitere Beobachtungen, dass die Steinkäuze „mardersichere“ Steinkauzröhren nicht so gerne als Brutplatz annehmen, als eine Röhre ohne Schutz.

Ich persönlich finde seine Beobachtungen sehr interessant und wertvoll, denn er betreibt seit 1976 aktiven Steinkauzschutz im Kreis Steinfurt.

Ein weiteres Video zu mardersicheren Kästen möchte ich hier vorstellen. Wie sinnvoll ein echter Marderschutz für Nistkästen ist muss sich jeder selbst beantworten.

Ich persönlich halte einen wirklichen Marderschutz der effektiv wirksam ist als Störfaktor für die Eulen. Man bedenke auch, dass es junge Marder gibt und diese passen wirklich durch die kleinsten Einschlupflöcher.

Kasten sicher anbringen

Beim Aufhängen geeigneter Steinkauzröhren gibt es einiges zu beachten. Wenn in der Nähe des Steinkauzhabitates z. B. ein Waldstück grenzt, ist zu überlegen wie sinnvoll eine Ansiedlung des Steinkauzes ist. Insbesondere der Waldkauz und die Waldohreule, sowie andere Taggreifvögel können den Steinkauz erbeuten. Wenn sich größere Eulen oder ein Sperber und Habicht in dichten Waldstücken verstecken können und quasi nebenan wohnen, wird ein Ansiedeln von Steinkäuzen häufig erfolglos bleiben.

Die Aufhängetechnik nach Erfahrungen von O. Kimmel

In der gängigen Literatur wird immer noch empfohlen Steinkauzröhren auf einem Ast zu befestigen. Begründet wird dies damit, dass Jungtiere so besser vor dem Herunterfallen geschützt seien, was auch stimmt. Diese Art der Montage hat aber auch einige Nachteile:

Steinkauznisthilfe

 

– Jeder Ast wächst in der Stärke und wird so zwangsläufig unter Spannung gesetzt, bis sie reißt.

– Zwischen Ast und Röhre sammelt sich Nässe, so dass das Holz der Röhre schnell fault und auch der Baum in Mitleidenschaft gezogen wird. Bei älteren Obstbäumen sollte dies unbedingt verhindert werden

– Die Röhre ist fast immer mehr oder weniger nach hinten geneigt, da es kaum waagerechte Äste gibt. In der Folge regnet es in den Eingangsbereich hinein. Weiter werden Gewölle und Einstreu von den Käuzen nach hinten getreten und die Kotaufsaugende Fläche verringert sich dadurch.

richtige Anbringung einer Steinkauzroehre

Steinkauz Nisthilfe nah
Richtige Anbringung einer Steinkauzröhre am Baum

 

Eine weitere sehr gute Lösung zum Aufhängen des Steinkauzkastens – auf jeden Fall Mardersicher, wenn kein Baum in der Nähe steht zum Überspringen

Ist der Kasten sicher angebracht, fehlt nur noch das Einbringen von richtigem Einstreu. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wir nutzen für solche Zwecke grobes getrocknetes Buchenholzgranulat, aber es kann auch trockenes gröberes Sägemehl von Laubhölzern genutzt werden. Bitte aber niemals Rindenmulch, Heu oder Stroh einbringen. Denn dieses Einstreu macht die Tiere krank. Es kann die schleichende Erkrankung Aspergillose begünstigen!

Wussten Sie schon, dass Steinkäuze und Eulen allgemein gerne Futterreserven anlegen? Bei einem Überangebot an Nagern, bunkert der Kauz alles was er kriegen kann. So kann er auch an „Schlecht-Wetter-Tagen“ gut überbrücken. Insbesondere bei der Jungenaufzucht ist es wichtig, dass immer genügend Futter vorhanden ist.

Um dies besser zu veranschaulichen, gelang uns eine Dokumentation während des Zusetzen von Steinkauzjungen in eine neue Familie (Adoptionsverfahren).

Beim zurücksetzen eines Steinkauzes konnten wir einen Blick in den Nistkasten riskieren - mehrere Mäuse und ein Maulwurf lagen als Futterdepot darinBeim Zurücksetzen eines Steinkauzes konnten wir einen Blick in den Nistkasten riskieren – mehrere Mäuse und ein Maulwurf lagen als Futterdepot darin

Weitere Informationen finden Sie auf der Otto Kimmels Steinkauzhomepage

Steinkauzkasten reinigen

Da wir selber keine Nistkästen kontrollieren oder gar aufhängen, haben wir infolgedessen auch keine Erfahrungen auf diesem Gebiet. Leider ist die Meinung weit verbreitet, die Nisthilfen jährlich zu reinigen. Herr Kimmel tat dies früher auch immer fleißig, bis er durch ausbleibende Reinigungen feststellte, dass die natürliche Gewölleunterlage die entstehende Feuchtigkeit im Kasten bestens aufsaugt. Die Reinigungen der Kästen richten demnach mehr Schaden an, als es den Tieren nutzt. Er konnte beobachten, dass selbst nach 20 Jahren ausbleibender Reinigung die Steinkäuze jährlich darin brüteten. Zitat Kimmel: „Wenn man eine Art schützen will, sollte man versuchen, natürlich Verhältnisse nachzuahmen, nicht aber diese zu „verbessern“. Eine natürliche Höhle für den Steinkauz besitzt weder einen „Marderschutz“, noch wird diese jährlich gereinigt. Deshalb sollte man auf Marderschutz und Reinigungsarbeiten verzichten.“

Meines Erachtens hört sich seine Aussage plausibel an. Wichtig ist nur, dass es in den Kästen aus mangelnder Instandhaltung nicht zu Staunässe kommt. Staunässe durch Regen bedeutet auf Dauer den Tod der Tiere. Jungtiere verlassen aus Verzweiflung zu früh den Nestbereich.

Aufzucht Steinkäuze

Eine Handaufzucht von Steinkäuzen ist in der Regel nicht notwendig. Insbesondere bei Steinkäuzen kann man die hilflosen Jungtiere sehr einfach in den Nistkasten wieder zurück setzen und sie werden von den Altvögeln weiter versorgt. Einzige Ausnahmen wären Unterernährung, Unterkühlung, Durchnässung oder Verletzungen. In der Regel kann man hilfebedürftige Steinkäuze ein paar Tage pflegen bis sie wieder stabil sind, normales Bettelverhalten zeigen und sie dann wieder in den Nistkasten zurück setzen. Der menschliche Geruch spielt bei Steinkäuzen keine Rolle, die Altvögel werden weiter füttern und versorgen. Wir als Pflegestation setzen die Tiere auch wieder zurück in ihren Nistkasten (dieser befindet sich meist sehr nah am Fundort) und ist sogar den Findern häufig bekannt. In manchen Fällen werden Jungtiere in andere Nistkästen zu anderen Familien per Adoption eingesetzt. Hier benötigt man in der Regel Hilfestellung, damit man weiß welche Kästen geeignet wären. Steinkäuze zählen ihren Nachwuchs nicht nach und merken nicht, wenn da mal einer hinzu gekommen ist.

„Wer bist du?“ Adoptionsverfahren stellen im gleichen Alter kein Problem dar und kann sehr erfolgreich praktiziert werden

 

Selbstverständlich sollte man einen gut besetzten Nistkasten nicht mit Jungtieren überstrapazieren. Schließlich müssen die Altvögel auch entsprechend Nahrung herbei schaffen. Ein Jungtierbesatz von vier Tieren ist eine normale Zahl beim Steinkauz, fünf bis sechs sind aber auch möglich.

Die Aufzucht in Gefangenschaft erfolgt mit Nagetieren, also mit Mäusen. Hierbei nimmt man erwachsene Mäuse, keine gekauften nackten Mäuse! Nur wenn die Eulen erst wenige Tage alt sind, werden Innereien verfüttert. Ansonsten verfüttern die Elterntiere nur Mäusestückchen incl. Fell und Knochen. Die Knochen sind dabei sehr wichtig, damit die Jungtiere ihren Kalziumbedarf beim Wachstum daraus decken können. Bei der Aufzucht mit Mäusen sind zu jederzeit tote Mäuse gemeint, keine lebenden! Katzenfutter verbietet sich, genauso wie Eigelb.

Info: Das Einspeicheln vom Futter durch den Menschen ist nonsens und hielt man früher für richtig. Dabei sollte der menschliche Speichel wichtige Enzyme dem Tier bei der künstlichen Aufzucht verabreicht werden. Doch diese Vorgehensweise und Empfehlung ist ein großer Irrtum, da Keime vom Menschen den Vogel töten können!

Bei Kleineulen können Heimchen und Grillen ebenfalls als Großinsektenbasis gereicht werden, frisch abgetötet versteht sich. Zwergohreulen sollten im Verhältnis viele Großinsekten bekommen, auch Heurschrecken können hier verfüttert werden. Diese Großinsekten bekommt man im Zoofachladen oder Reptiliengeschäft zu kaufen.

Beringung Steinkäuze

Bisher wurde durch wissenschaftliche Beringung der Steinkäuze ein Höchstalter von 15 Jahren festgestellt. Durch diese Beringung kann man einen guten Einblick in das Leben dieser kleinen Eulenart bekommen. Informationen zu Wanderungen, Verpaarungen, Todesursachen können so gesammelt werden. Insbesondere Steinkäuze lassen sich einfach beringen, da man durch den Zugriff in die Röhren die Kleinen schnell zur Hand hat. Kommt es dann zu einem Wiederfund eines beringten Kauzes, sollte dies unbedingt bei der Vogelwarte oder uns gemeldet werden.

beringter Steinkauz - kurz vor der Freilassung
beringter Steinkauz – kurz vor der Freilassung

Lust auf mehr Informationen rund um den Steinkauz ?

Unser Buchtipp: Der Steinkauz (Die neue Brehm-Bücherei) ISBN: 3-7403-0240-2

Und hier kommt noch ein niedliches Video aus dem Steinkauzleben einer Familie:

 

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