Illegale Verfolgung erkennen

Illegale Greifvogelverfolgung

Trotz des gesetzlichen Schutzes gibt es leider immer wieder Meldungen über illegale Greifvogelverfolgung.

Abschuss, Fang mit diversen Fallenarten, Vergiftung mit Köderfleisch, gezieltes Fällen von Horstbäumen.

Ein Greifvogel stirbt in der Regel nicht auf dem Rücken – Der Fundort des Mäusebussardes lag in einem kleinen Wäldchen © Frank Seifert

 

Abschuss:

November 2016 Habicht-Abschuss

Leider sind Habichte häufiger nicht gerne gesehen, da sie auch mal bei privaten Geflügelhaltungen zuschlagen. Wobei Habichte lediglich die einfache Beute erkannt haben (z. B. Hühnerhaltung, Taubenhaltung) und er ohne großen Aufwand seinen Hunger stillen kann. Dennoch hat er genauso ein Recht zum Leben wie alle anderen Tiere in der Natur. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass speziell diese Greifvogelart durch Menschen nachgestellt wird. Folgender junge Habichtsterzel hatte Glück im Unglück, er wurde am Flügel angeschossen, wie eine Röntgenaufnahme zeigte. Eine medizinische Versorgung war möglich und der Vogel konnte wieder erfolgreich in die Wildbahn frei gelassen werden.

Turmfalken Abschuss in Obspringen, Kreis Heinsberg 2012

Am 03. September 2012 wurde uns ein Turmfalkenweibchen eingeliefert, welches den Flügel gebrochen hatte. Bei der Durchführung einer routinemäßigen Röntgenaufnahme fiel allerdings sofort auf, dass das Tier abgeschossen wurde.

Die Elle und Speiche wurde hierbei getroffen und zersplitterte. Bleiabrieb an Frakturstelle ist deutlich zu sehen
Die Elle und Speiche wurde hierbei getroffen und zersplitterte. Bleiabrieb an Frakturstelle ist deutlich zu sehen

 

Warum schießt jemand auf Turmfalken?

Das Einschussloch war unter dem Flügel, bzw. an der Flügelkante, so dass man daraus schließen kann, dass das Tier bei seinem letzten Flug abgeschossen wurde. Das schwer verletzte Tier wurde seinem Schicksal überlassen (auf einem Feld bei Obspringen). Wenn so ein hochspezialisierter Falke nicht mehr auf Mäusejagd gehen kann, (aufgrund der Flügelfraktur) steht in solch einem Fall der Hungertod als nächstes zuvor. Ein Tierschützer fand das Tier ca. zwei bis drei Tage später nach der schrecklichen Tat. Es wurde Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.

Bitte immer Anzeigen

Jede Schussverletzung oder Fallenverletzung muss angezeigt werden, da es sich um eine Straftat handelt. Wird uns ein Tier eingeliefert, bei dem eine Schussverletzung nachgewiesen wird, wird der Fall zuerst bei der Polizei gemeldet und dann bei der Stabsstelle für Umweltkriminalität in Düsseldorf. Die genaue Auffundsituation ist hier von großer Bedeutung. So werden Fundort, Datum, genaue Uhrzeit und die Personalien des Finders gemeldet. Sie leisten durch Ihre Mithilfe so einen großen Beitrag gegen die Umweltkriminalität. Nur wenn angezeigt wird, bekommen die Behörden einen besseren Überblick, wie gravierend die Greifvogelverfolgung stattfindet.

Es wurden bereits Fälle von mindestens 13 Greifvogel/Eulenarten erfasst:

Hierzu gehören: Rohrweihe, Wiesenweihe, Kornweihe, Rotmilan, Mäusebussard, Habicht, Sperber, Baumfalke, Wanderfalke, Turmfalke, Fischadler, Waldkauz, Uhu

Röntgenbild eines angeschossenen Baumfalkens
Röntgenbild eines angeschossenen Baumfalkens

 

Auf dem Röntgenbild ist ein deutlicher Humerusdurchschuss (Oberarmflügel) zu sehen, sowie das Geschoss im Thorax (Brustkorb).

Bei diesem Baumfalken ist die Tat besonders traurig, da es sich hier um eine besonders bedrohte Greifvogelart handelt. Ob es sich hier um eine Verwechslung mit einem anderen Vogel handelte bleibt ungewiss. Der Fundort dieses Baumfalkens war in Tönisvorst (Kreis Viersen) an der Breslauer Straße. Es wurde mit einem Diabolo aus einem Luftgewehr geschossen. Das Schießen mit dem Luftgewehr auf Tiere ist nicht erlaubt und verstößt gegen das Tierschutz- und Bundesnaturschutzgesetz.

Ein Röntgenbild deckt dann den mutwilligen Abschuss auf. Die Kugeln sind leicht zu erkennen. Das Röntgenbild zeigt einen Sperber
Ein Röntgenbild deckt dann den mutwilligen Abschuss auf. Die Kugeln sind leicht zu erkennen. Das Röntgenbild zeigt einen Sperber

Auf dieses Sperberweibchen oben wurde mit Schrot geschossen. Der Flügel wurde zerschossen, das Tier dadurch lebensgefährlich verletzt. Der Greifvogel musste mit dieser schweren Verletzung von seinem Leid erlöst werden. Der Fundort dieses Sperbers war in Grevenbroich/Ramrath (Kreis Neuss) auf dem Feld.

Dieser Baumfalke wurde abgeschossen
Dieser Baumfalke wurde abgeschossen

 

Sehr traurig, die gezeigten Tiere könnten noch leben. Der Sperber wurde in Mönchengladbach an der Dohrer Straße aufgefunden.
Der Baumfalke wurde in Tönisvorst (Kreis Viersen) an der Breslauer Straße aufgefunden.

Projektile aus dem Luftgewehr - Diabolos
Projektile aus dem Luftgewehr – sogenannte Diabolos (4,5mm) – Flachkopfdiabolos und Spitzkopfdiabolos

Leider sind Schwarzmilane und Rotmilane Abschüssen stärker ausgesetzt als andere Greifvogelarten. Da sie teils besonders nah an Siedlungen heran kommen und zudem langsame Flieger sind, lassen sie sich sehr „einfach“ erschiessen.

Tiere, die mit Diabolos angeschossen wurden, wurden in der Regel von Privatpersonen gezielt angegriffen. Vögel mit Schrot im Körper in der Regel von Personen, die eine Flinte besitzen.

DER Fang durch Fallen

Die Verfolgung richtet sich in erster Linie gegen Greifvogelarten wie Habicht, Sperber, Mäusebussard und dem Milan. Besonders der Habicht ist das Hauptziel illegaler Nachstellung durch Brieftauben- und Hühnerhalter. Es ist sicherlich mehr als ärgerlich, wenn der Habicht wertvolle Brieftauben tötet oder in der Hühnerfarm Schaden anrichtet. Trotzdem hat er seinen Platz in der Natur und ein Recht zu leben. Habichte werden oft gezielt mit einer lebenden Locktaube mittels Habichtfangkorb gefangen. Die Benutzung solcher Fallen ist strafbar. Manch Habicht oder Sperber, der gerade ein Beutetier geschlagen hat und sich daran satt frißt, verliert häufiger den Fluchtreflex. Dies hat schon einigen Tiere das Leben gekostet, da sie dann beim Fressen erschlagen wurden.

Weiter kann es zum Fang von Greifvögeln mittels Schlagfallen kommen.

Schlagfallenverletzungen:

Besonders auffällig sind z. B. stumpf durchgeschlagene Mittelfüße oder mehrere fehlende Fußglieder.

Fundort dieses Turmfalken in Mönchengladbach-Rheindahlen an der Straße Grießbarth.

Turmfalke mit zertrümmerten Beinen. Die tierärztliche Untersuchung ergab Metallrückstände an beiden Beinen
Turmfalke mit zertrümmerten Beinen. Die tierärztliche Untersuchung ergab Metallabrieb an beiden Beinen
Mäusebussard mit zertrümmerten Füßen durch ein Schlageisen
Mäusebussard mit zertrümmerten Füßen durch ein Schlageisen

 

Krähenmassenfallen/nordischer Krähenfang:

Eine perfekt getarnte Falle, hier können statt Krähen auch Habichte und andere Vögel illegal gefangen werden.

Vogelfalle illegalDer Habicht oder die Krähen fliegen hinein, kommen aber durch die Öffnung nicht mehr heraus

Das Betreiben von Krähenmassenfallen ist verboten, da es sich um einen Verstoß gegen das Bundesnaturgesetz handelt! Wenn Ihnen lieber Leser, solch ein ähnlicher Hühner- oder Fasanenverschlag etc. schon mal beim Spazierengehen aufgefallen ist, so nehmen Sie bitte mit der nächsten Polizeidienststelle Kontakt auf!

Es werden dann geschulte Personen schauen, ob es sich um eine illegale Einrichtung handelt. Da es sich um eine Straftat handelt, muss immer die Polizei gerufen werden.

Falls Sie sich nicht sicher sind, senden Sie uns vorab ein Foto zur Beurteilung.

Die illegalen Greifvogelverfolgungen häufen sich insbesondere in der Winterzeit, da die Greifvögel unter Hunger leiden und besonders leicht zu ködern sind.

Hier das befreite Habichtweibchen: Sie trägt einige Blessuren im Gesichtsbereich davon. Eigentlich hätte Sie sterben sollen, doch die Rettung kam in letzter Minute. Der Habicht hat sich in Panik durch mehrfache Ausbruchsversuche das Gesicht am Stallgitter verletzt.

Habicht_Wachshautverletzung

Habicht_Gesichtsverletzungen
Habicht mit multiplen Gesichtsverletzungungen

 

Tötung durch gezielte Vergiftungen von Greifvögeln

Mäusebussard der kurz nach der Vergiftung verstarb. In dem Fall speichelte das Tier noch deutlich am Schnabel
Mäusebussard der kurz nach der Vergiftung verstarb. In dem Fall speichelte das Tier noch deutlich am Schnabel

Vorberichtlich fiel plötzlich ein Greifvogel aus einem Baum zu Boden.
Der Fundort dieses vergifteten Mäusebussardes war in Korschenbroich, nähe Herzbroich am Feld.

Finder nahmen den Bussard auf, doch auf dem Weg zu mir verstarb der Bussard bereits. Starkes Speicheln, wie im gezeigten Bild oben, kann unter anderem ein Zeichen auf Vergiftung sein.

 

Mäusebussard nach Giftaufnahme - je nach Gift kann verstärkter Tränenfluss beobachtet werden
Mäusebussard nach Giftaufnahme – je nach Gift kann verstärkter Tränenfluss beobachtet werden

 

Leider werden immer wieder Greifvögel mit speziellen, schnellwirksamen Giften gezielt getötet. Besonders häufig wird das Insektizid Carbofuran (in Deutschland seit 13.12.2008 verboten) bei verendeten Greifvögeln nachgewiesen. Besonders in der Winterzeit lassen sich bestimmte Greifvögel, wie Mäusebussarde und Milane (auch Habicht und Sperber möglich) einfach mit vergiftetem Fleisch ködern; Siehe Foto. Es handelt sich in der Regel um verschieden farbige Granulate.

Carbofuran wirkt auf das Nervensystem und wurde im gewerblichen Pflanzenanbau als Insektizid eingesetzt. Die Substanz gehört zur Wirkstoffgruppe der Carbamate. Es kann zur Verstärkung des Tränen- und des Speichelflusses, sowie Bronchialsekretion kommen. Auch sind Lähmungen der Atemwege möglich, sowie niedriger Blutdruck und schließlich Herz-Kreislaufversagen. Da dieses Gift so rasant schnell wirkt, werden uns leider zu häufig genau diesen Patienten nicht mehr in die Station eingeliefert. Bei Todfunden werden wir in der Regel nicht mehr kontaktiert.

Wird ein vergifteter Greifvogel aufgefunden, der noch lebt, so ist absolute Eile geboten! Es muss sofort ein Tierarzt in der Nähe aufgesucht werden. Weite Fahrten müssen vermieden werden, damit man vielleicht noch rechtzeitig ein Gegenmittel spritzen lassen kann.

Es muss das Notfallmedikament Atropin (0,4 mg/kg i.m.) bei dem Verdacht einer Aufnahme von Insektiziden injiziert werden. Gerne geben wir auch Hilfestellung, falls Fragen bezüglich der Anwendung bestehen. Diazepam (Valium) kann bei Krämpfen zusätzlich eingesetzt werden. Der Patient muss stabilisiert werden und Infusionsgaben (Ringer Lactat oder NaCl) zum Ausscheiden des Giftes müssen mehrfach täglich verabreicht (z. B. unter die Haut in die Kniefalte) werden. Da Atropingaben zu trockener Schleimhaut führen können, sollte man den Patienten regelmäßig oral Flüssigkeit eingeben.

Indiz für ein Vergiftungsgeschehen am lebenden Vogel können verstärkter, klarer Speichelfluss sein, klarer Tränenfluss (als ob der Vogel weinen würde), Augenzuckungen, vergrößerte Pupillen und Nervenzuckungen am Körper. Die Beine oder einzelne Zehen können unkontrollierte Nervenzuckungen zeigen, Zuckungen im Schwanzgefieder, verkrampfte Füße usw..

Lockvögel:

Taube mit gestutzem Flügel - dieses Tier liegt gerade in Narkose
Taube mit gestutzem Flügel – dieses Tier liegt gerade in Narkose

 

Tauben (gerne auch weiße) werden leider häufiger als Lockvogel benutzt. Lebende Vögel als Lockvogel zu benutzen, um andere Vögel damit einzufangen, ist verboten. Häufig geht der Täter hin und schneidet dem Tier das Flügelgefieder ab, damit es im Falle einer Flucht nicht weit kommt.

Diese Rabenkrähe wurde als Lockvogel missbraucht und eine Schwinge stark gestutz
Diese Rabenkrähe wurde als Lockvogel missbraucht und eine Schwinge stark gestutzt

 

(Beide gezeigten Lockvögel sind unverletzt und liegen lediglich für eine bestehende Federkorrektur in Inhalationsnarkose – das Schiften ist bei beiden Tieren möglich)

Verdachtsfälle richtig melden (und den Tierkörper versenden) – Unsere Erfahrungen hierzu PDF: illegale-greifvogelverfolgung-melden

Zerstörung der Horstbäume

Eine eher unauffällige Greifvogelverfolgung stellt das absichtliche Fällen derer Horstbäume dar. Einige Greifvögel kommen jedes Jahr immer wieder zu ihrem erbauten Horst zurück, um zu brüten. Das Fällen von Horstbäumen ist gesetzlich ohne Ausnahmegenehmigung nicht erlaubt. Dennoch werden insbesondere in der Winterzeit und im Frühjahr noch mal schnell ein paar Bäume gefällt.

Ich selbst war auch schon bei Horstbaumzählungen dabei und konnte auch bei der offensichtlichen Markierung der Bäume Zeuge werden. Das Übersehen eines markierten Horstbaumes ist bei der Fällung schier unmöglich.

Eine besondere Dreistigkeit besaßen die Leute, die den gekennzeichneten Horstbaum auch noch haben liegen lassen. Und wieder ein Rotmilan-Horst zerstört.

Wenn Sie beim Spaziergang gefällte Bäume liegen sehen, schauen Sie doch bitte mal genauer hin! Hier handelt es sich um eine Straftat.

Die offensichtliche Kennzeichnung „Horstbaum bitte stehen lassen“ wurde anscheinend gerne übersehen!

GREIFVÖGEL UND JAGDRECHT

Bemerkung von uns:

Leider wurden die Greifvögel in Nordrhein-Westfalen aus dem Jagdrecht genommen. Zuvor war es so geregelt, dass Greifvögel unter das Jagdrecht fielen, aber alle Arten der ganzjährigen Schonzeit unterlagen. Also nicht abgeschossen werden durften. Wir bedauern es sehr, dass diese Arten nicht mehr dem Jagdrecht unterliegen, denn der höhere Schutzstatus der Vögel wird somit zu nichte gemacht. Wer Greifvögel töten möchte, der befolgt sowieso keine gesetzlichen Regeln. Wird aber eine Straftat aufgedeckt und der Täter bekannt, wären die Strafen speziell für die Tätergruppe Jagdausübungsberechtigte wesentlich empfindlicher gewesen, da es ja dann zu einem Verstoß bzw. Jagdwilderei gekommen wäre. Für die Greifvögel ist es also kein Gewinn, dass sie aus dem Jagdrecht genommen wurden. Des Weiteren gilt aber auch, dass sich kein Jagdausübungsberechtigter bei dieser Regelung einen toten Greifvogel in seinem eigenen Revier aneignen darf (z. B. ein Verkehrsopfer). Zur Aneignung geschützer Vogelarten, die nicht unter das Jagdrecht fallen, benötigt man nun spezielle Ausnahmegenehmigungen.